Wir wollten keine Kompromisse eingehen – Interview mit Rebirth

LogoLange war es ruhig um die Symphonic Metal Band Rebirth aus Norditalien. Zumindest was Veröffentlichung betrifft. Im Jahr 2006 erschien die EP „Frozen Moments“. Was in diesen fünfzehn Jahren passierte liegt weitestgehend im Dunkeln. Im Internet kann man einige Besetzungswechsel nachlesen. Aber auch hier findet sich seit fünf Jahren nichts Neues. Bis jetzt. Mit der EP „Storm“ wagen die Musiker einen Neuanfang. Mit einer neuen Sängerin und offensichtlich auch Änderungen in der musikalischen Ausrichtung. Was man auf der Comeback EP hören kann, klingt vielversprechend. Grund genug bei den Musikern über Vergangenes aber auch über zukünftige Plane nachzufragen.

KoR: Hallo. Ich bin Rainer und schreibe für Keep on Rockin‘. Danke, dass ich dieses Interview mit Euch führen kann. Wie geht es Euch?

Rebirth: Hallo Rainer, uns geht es allen gut, trotz der widrigen Umstände. Es ist in jeder Hinsicht eine anstrengende Zeit, aber wir kommen erhobenen Hauptes heraus, stärker und motivierter als zuvor.

KoR: Ihr seid, wohl auch dank der langen Pause, eher weniger bekannt. Stellt die Band bitte kurz vor.

Rebirth: Wir sind eine Metal-Band, die 1998 in Mailand inmitten der Schulbänke gegründet wurde. Unser anfänglicher Sound war vergleichbar mit Gothic Metal mit Folk- und Mittelaltereinflüssen. Im Laufe der Jahre haben wir 3 EPs veröffentlicht, die letzte „Frozen Moments“ im Jahr 2006, dem Jahr, nach dem wir uns entschieden haben, eine lange Pause zu machen, wahrscheinlich länger als erwartet. Am 7. Mai 2021 haben wir unsere neue EP mit dem Titel „STORM“ veröffentlicht, die für uns sowohl ein Comeback als auch ein Debüt ist. Der Sound hingegen hat sich in Richtung Symphonic Metal verändert, obwohl die Gothic-Prägung immer noch gut wahrnehmbar ist. Rebirth 2Es ist in jeder Hinsicht eine völlig neue Situation, aber ich muss sagen, wir lieben es!

KoR: In den ersten Jahren dieses Jahrtausends habt Ihr mehrere Demos sowie ein Studio-Album veröffentlicht. Danach war urplötzlich Schluss. Warum habt Ihr diese lange Pause eingelegt und was habt Ihr in den vergangenen fünfzehn Jahren gemacht?

Rebirth: Die sehr lange Pause wurde in einer Phase starker Frustration geboren. Wir hatten lange an unserer letzten Veröffentlichung gearbeitet, aber die üblichen Budget-Probleme beeinträchtigten das Endprodukt, eine Situation, die sich deutlich auf die Akzeptanz der Tracks durch die Metal-Presse, in Italien und weltweit, auswirkte. Für jeden war die Qualität der Grundidee offensichtlich, aber es war nicht genug. Der Ausstieg einiger Mitglieder aus der Gruppe setzte den letzten Nagel in den Sarg, zumindest dachten wir das. Die historische Formation der Band besteht jedoch aus alten Freunden und das hat es uns ermöglicht, nach fast einem Jahrzehnt und mehreren persönlichen Projekten wieder zusammen zu spielen. Seitdem haben wir neue Songs komponiert und verschiedene Lösungen hinter den Mikrofonen ausprobiert, aber erst Martinas Einstieg hat den Unterschied gemacht und uns erlaubt, heute mit einer EP aufzuwarten, mit der wir sehr zufrieden sind.

KoR: Auf Encyclopaedia Metallum kann man nachlesen, dass Besetzungswechsel hauptsächlich bei den Sängerinnen/Sängern zu verzeichnen waren. Bei den Instrumentalisten hat lediglich Gitarrist Chris die Band verlassen. Ihr konntet also Eure Schulfreundschaft als Erwachsene fortsetzen?

Rebirth: Ich denke, es ist an der Zeit, diese Seite zu aktualisieren! Du hast absolut Recht, wir sind seit der Highschool befreundet und es war ungewöhnlich, nicht zusammen zu spielen. Deprimierend, wenn ich zurückdenke. Was die Vocals angeht, so glaube ich, dass jeder einzelne Sänger, der Rebirth seine Stimme geliehen hat, der Geschichte der Band einen wichtigen und unauslöschlichen Stempel aufgedrückt hat und es uns ermöglicht hat, bis heute zu einem Sound zu kommen, der sehr nahe an dem ist, was wir im Sinn haben und was wir erreichen wollen.< span>

Martina RussoKoR: Neu am Mikrophon ist Martina Russo. Wie habt Ihr Eure neue Sängerin gefunden? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihr?

Rebirth: Der letzte Besetzungswechsel war sehr schmerzhaft, weil wir mit der Realisierung der EP sehr gut vorankamen, aber das Leben ist voller unerwarteter Ereignisse, und wir fanden uns an einem Punkt wieder, an dem wir dachten, wir müssten alles von vorne beginnen. Martina meldete sich auf eine Online-Anzeige, gerade als wir dachten, wir hätten jede Hoffnung verloren. Wir schickten ihr die Instrumentalspur von „Blessing In Disguise“ und weißt Du was? Es entpuppte sich als echter Segen! Die ersten Proben ließen uns alle, auch sie, sprachlos zurück: Die Chemie zwischen uns war spürbar, so außergewöhnlich wie real. Sie griff die Songs auf, versah sie mit ihrer Persönlichkeit und das Ergebnis ist das, was sich jetzt jeder anhören kann!

KoR: In den Anfangsjahren hattet Ihr sowohl eine weibliche als auch eine männliche Gesangsstimme. Also die klassische Konstellation „Die Schöne und das Biest“. Damit ist es ja inzwischen vorbei. Warum habt Ihr Euch entschieden nur noch eine Sängerin in Euren Reihen zu haben. Wie hat sich dadurch Euer Sound und Eure musikalische Ausrichtung geändert?

Rebirth: Es ist Schicksal, wir wurden als Female Fronted Band gegründet, doch im Laufe der Jahre sind wir dem Charme von „Die Schöne und das Biest“, mit seinen vielen theatralischen Möglichkeiten, erlegen. Das verdanken wir Haggard und Theater of Tragedy! Das Ergebnis, das mit „Prelude to Resurrection“ erzielt wurde, war hervorragend, ebenso wie die Kritiken, die es erhielt. Mit „Frozen Moments“ behielten wir das gleiche Konzept bei, und auch „Storm“ ging in die gleiche Richtung. Erst als Martina auf eine Anzeige antwortete, die wir online schalteten, evaluierten wir tatsächlich die Möglichkeit, zu einer einzelnen Stimme hinter den Mikrofonen zurückzukehren. Die Melodien, die sie komponiert, und die Persönlichkeit, die sie in die Performance einbringt, machen es völlig unnötig, die Songs für zwei Stimmen zu strukturieren, obwohl uns die Idee eines Duetts in der Zukunft gefällt, aber als Einzelstück.

stormKoR: Die EP „Storm“ habt Ihr offensichtlich während der Covid-19 Pandemie aufgenommen. Wie hat diese Eure Arbeit im Studio beeinflusst?

Rebirth: Die „Frozen Moment“-EP war komplett im Studio im semi-analogen Modus aufgenommen worden, so dass der vollständige Wechsel zur digitalen Technik für uns als Gruppe neu war. Wir hatten schon lange vor diesem Covid-19-Durcheinander mit den Aufnahmen in unserem Heimstudio begonnen, mussten aber aufhören, als unsere beiden ehemaligen Sänger die Gruppe nach der Hälfte der Produktion verließen. Dank Martinas Arbeit konnten wir die Aufnahmen sofort wieder aufnehmen, aber einige Fehler unsererseits, eine längere Nachbearbeitung als erwartet und, als Sahnehäubchen, dieser verdammte Virus verlangsamten, was eine viel schlankere und schnellere Arbeit hätte werden können. Aber wir wollten keine Kompromisse eingehen und riskieren, (wieder) mit einem Produkt herauszukommen, das uns nicht zu 100% zufrieden stellte. Niemand hat uns bedrängt, die einzige Ressource, die zur Neige ging, war unsere Geduld: Schon bei der Vorproduktion hatten wir das wahre Potenzial von „STORM“ erkannt! Wir konnten nicht länger auf die Fertigstellung warten.

KoR: Wie geht Ihr beim Schreiben neuer Songs vor. Habt Ihr einen Hauptsongwriter oder entstehen diese durch die Zusammenarbeit der Band-Mitglieder?

Rebirth: Die meisten Songs entstehen aus einer ersten Melodielinie, die dann bei den Proben gemeinsam entwickelt wird. Es kann Gesang, Schlagzeug, Gitarre, Bass oder Keyboard sein: Es spielt keine Rolle, alles entsteht aus einem Funken, der sich dann in die Richtung entwickelt, die wir ihm als Gruppe geben. Auf diese Weise sind wir sicher, dass jeder seinen Beitrag leisten kann und in jeder Sekunde des Songs Emotionen und persönlicher Geschmack zum Ausdruck kommen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum jeder von uns einen Lieblingssong hat, oder einen Teil, den er mehr liebt als die anderen.

Rebirth 3KoR: Seid Ihr zufrieden mit dem Ergebnis? Wie ist die Reaktion der Fans und der Presse?

Rebirth: Wie ich schon sagte, ist es eine ganz besondere Situation, die durch die lange Stille entstanden ist: Auf der einen Seite hatten wir langjährige Fans, die nicht glauben konnten, dass sie bald neues Rebirth-Material hören würden. Auf der anderen Seite ein Publikum von Leuten, die uns nicht kannten und für die wir quasi ein Debüt waren, etwas, das in der letzten Zeit neu geboren wurde. Wir warteten gespannt auf die ersten Kritiken und die erste, die wir erhielten, war… OK. Ab der zweiten Rezension jedoch erhielt STORM Rezensionen, die über den Erwartungen lagen und Worte der großen Anerkennung sowohl von der Presse als auch von den Hörern. Wir könnten nicht glücklicher und zufriedener mit diesem Start sein. Wir hätten das Ende der Pandemie abwarten können, um die Dinge wie im Lehrbuch zu erledigen, aber wir dachten, dass wir angesichts der Besonderheit der Situation einen Moment der Erleichterung oder zumindest 19 Minuten mit den Gedanken woanders sein könnten, weg von den Problemen, die in diesem historischen Moment über alle hereinbrechen. Wir bereuen die getroffene Entscheidung absolut nicht und sind stolz darauf. Für Promo-Aktivitäten und Live-Shows, bleibt noch Zeit.

KoR: Die allermeisten Bands wollen ihren Alben und EPs auch live präsentieren. Ich denke bei Euch ist das nicht anders. Plant Ihr schon Auftritte für die Zeit nach der Pandemie?

Rebirth: Es ist schwer, im Moment irgendetwas zu planen, und wir wollen auch 100% fit sein, wenn wir „Storm“ in den Clubs promoten. Wir arbeiten in diese Richtung, aber wir wollen sicher sein, was die Termine, Orte und die totale Sicherheit für alle Beteiligten angeht. Es muss ein Moment der Muße und des Spaßes für jeden sein, der kommt, um uns zu hören, und nicht eine Nervensäge zwischen tausend Einschränkungen. Wenn wir wieder auf der Bühne stehen, ich hoffe sehr bald, wird es eine richtige Party für alle.

KoR: Wird diese EP ein einzelnes Lebenszeichen von Euch sein oder ist auch schon ein weiteres Album von Rebirth geplant?

rebirth 1Rebirth: Wir haben gemeinsam die Arbeit an „Storm“ besprochen, was der Kompositions- und Aufnahmeprozess mit sich bringt. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der beste Weg derjenige von EPs ist, der es uns erlaubt, die Leute, die unsere Musik schätzen und uns lautstark nach neuem Material fragen, nicht wieder 15 Jahre warten zu lassen. Während wir hier sprechen, können wir schon bestätigen, dass wir das Material für unsere nächste EP komponiert haben, deren erste Aufnahmen in Kürze beginnen werden. Hoffentlich wird es eine angenehme Überraschung sowohl für neue Rebirth-Fans als auch für diejenigen, die uns seit Jahren unterstützen und die Klänge von „Prelude To Resurrection“ und „Frozen Moments“ lieben. Ihr seid die Ersten, die es erfahren!

KoR: Ich bedanke mich noch einmal für dieses Interview. Möchtet Ihr den Fans zum Abschluss noch etwas sagen?

Rebirth: Danke an Dich für diese wunderbare Gelegenheit, mit der großen Metal-Gemeinde zu sprechen, die in dieser Zeit unter anderem auch auf die Konzerte all unserer Idole, die Sommerfestivals, die neuen Bands, die man rein zufällig an einem Abend in einem Club entdeckt, verzichten müssen. Mit erhobenem Haupt, es gibt keinen Virus, der den Metal schlagen kann! Danke an alle, die sich unsere EP „STORM“ anhören werden.

Rebirth sind:

Fabio Granata – Keyboards
Davide Moro – Guitars
Giorgio Mitscheunig – Bass Guitar
Pierpaolo Canato – Drums
Martina Russo – Vocals

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