Angellore – Nocturnes

Bewertung: 8,5/10

Seit fast zwanzig Jahren verzaubern und begeistern die Avignoner Angellore Fans und Kritiker gleichermaßen mit ihrer einzigartigen Mischung aus Gothic Doom, folkloristischen Einflüssen, Dramatik, Erzählkunst und großen Emotionen.

Aber werden wir mal sachlich. Angellore stammen aus Avignon (Region Provence-Alpes-Côte d’Azur im Südosten Frankreichs) und wurden 2007 gegründet. Gitarrist Rosarius (Vincent Tassy) und Keyboarder Walran (François Blanc) sind seit der Bandgründung dabei. Schlagzeuger Ronnie ist auch schon seit 2009 in der Band. Bassist Celin (Florent Castellani) und Sängerin Lucia stießen zwar erst 2016 zu Angellore, aber auch das ist bereits zehn Jahre her. Eine beeindruckende Konstanz in punkto Besetzung. Der Pressetext stuft den Sound als Gothic Doom Metal ein. Nach dem Demo „Ambrosia“ zweier EPs und einem weiteren Demo wurde 2012 das Debüt „Errances“ veröffentlicht. Bis 2020 erschienen zwei weitere Alben. Nun ist mit „Nocturnes“ das vierte Studio-Album fertiggestellt.

„Falling Birds“ startet mit ruhigen Keyboards. Dann setzen kraftvoll, jedoch genauso ruhig Schlagzeug, Gitarre und Bass ein. Bei Lucias ätherischem Gesang wird die Instrumentierung zunächst massiv zurückgenommen. Die akustischen Gitarren werden später durch ihr elektronisches Pendant verstärkt. Harsche Growls bilden den Kontrast. Also eigentlich das typische „Die Schöne und die Biester“ Szenario. Eigentlich, denn die männlichen Gesangspartner singen später mit dunkler, aber klarer Stimme. Mit knapp acht Minuten Länge ist „Black Sun River“ der kürzeste Song des Albums. Gestartet wird mit Streichern und harten Schlagzeugspiel. Nach besinnlichem Einstieg wird der Doom Bereich fast schon verlassen. Es wird schneller und auch optimistischer. Ist eher ein Dark Metal Song, was auch durch das dunkle Timbre des Gesangs unterstrichen wird. Auch die Stimme von Lucia klingt kräftiger, verzaubert trotzdem immer noch. Und wird von e-Piano-Klängen unterlegt. Ganz ohne Growls geht es auch nicht ab. „Forsaken Fairytale“ (ein vergessenes Märchen) wird von einer Flöten-Melodie, Streichern und akustischen Gitarren eingeleitet. Auch wenn später die Rhythmus-Fraktion kräftiger hinzukommt, dominieren zunächst weiterhin Streicher und akustische Gitarren. Erneut verführt Ludia mit ihrer Stimme, die von harten, aber dezenten Riffs sowie recht schnellem Schlagzeug (Bass Drum) unterlegt wird. Die dunklen männlichen Stimmen unterstreichen die melancholische Grundstimmung. Später ist eine sakrale Orgel zu hören, die von Chorussen und harten Riffs begleitet wird. Und da sind sie wieder – die abgrundtief bösen Growls. Aber es gibt auch immer wieder beschauliche Abschnitte. Chorusse prägen auch den Einstieg in das „Martyrium“. Später werden die ahahah-Chorusse von schnellen Gitarrenriffs unterlegt. Nach Doom folgt gesanglich und melodisch wieder Dark Metal. Und hier werden die Melodien durchaus schneller gespielt. Dem passen sich auch die Growls an. Lucias verzaubernder Gesang sorgt aber auch immer wieder für Entschleunigung. Mit „A Dormant Stream“ folgt zum Abschluss der längste Song. Der Gesang wird in hohen Tönen gehaucht und wird dabei von Akustik-Gitarren begleitet. Doch so bleibt es nicht. Nachdem Flöte, Oboe und Cello für schönen Melodien gesorgt haben, setzt die Double Bass ein. Zu einer echten Tempo-Verschärfung reicht dies aber nicht. Die ruhigen Passagen sind weiterhin prägend.

Die Kompositionen auf „Nocturnes“ sind äußerst vielschichtig angelegt. Jeder einzelne Song baut einen weiten Spannungsbogen auf. Mit drei Sängern wird faktisch „fünfstimmig“ gesungen, verführerischer weiblich Gesang, zu dem die unterschiedlichen Growls und dunklen männlichen Gesangs-Stimmen sehr gut passen. Das sorgt für viel Abwechslung und große Emotionen auf dem Album. Angellore haben hier ein einzigartiges Klangerlebnis erschaffen.

Angellore – Black Sun River: https://youtu.be/N5dEe7xgCBk?si=UjMOFeS4ZYQikZbi

Lineup:

Lucia – Vocals (female)
Rosarius – Clean- and Harsh Vocals, Electric and Acoustic Guitars, Synths, Grand Piano
Walran – Harsh and Clean Vocals, Synths, Grand Piano
Celin – Bass, Additional Guitars, EBow, Backing Extreme Vocals
Ronnie – Drums, Percussions

Guests:

Ségolène Perraud – Flute on „Falling Birds”, „Forsaken Fairytale“ and „A Dormant Stream“
Dirk Goossens – Bass clarinet on „Falling Birds“
Raphaël Verguin – Cello on „Forsaken Fairytale“ and „A Dormant Stream“
Gunnar Ben – Oboe on „Falling Birds“ and „A Dormant Stream“

Label: Ardua Music

VÖ: 15. Mai 2026

Spieldauer: 55:12

Titelliste:

  • Falling Birds
  • Black Sun River
  • Forsaken Fairytale
  • Martyrium
  • A Dormant Stream

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