Hrafnablót – Guðlaugar Saga

Bewertung
Album (40%): 10/10
Cover-Art (20%): 10/10
Songwriting (40%): 10/10
ø: 10/10

Die isländische Folk Metal Band Hrafnablót wurde im Herbst 2024 gegründet. Die Musiker lassen sich inspirieren von dem Kontrast aus Licht und Dunkelheit der isländischen Sagenwelt. Dabei werden harte Riffs mit Folkeinflüssen sowie eingängigen Melodien miteinander verwoben. Klare und raue Gesangspassagen stehen dabei in Kontrast.

Das Ergebnis ist ein Sound, der tief in der isländischen Mythologie und Landschaft verwurzelt ist.

Auf dem Album „Guðlaugar Saga“ wird die Geschichte von Guðlaug erzählt, einer modernen Frau, die zurückversetzt wird in die Zeit der Erstbesiedlung Islands. Nur mit ihrer Alltagskleidung bekleidet und einem Elektroschocker bewaffnet.

Auch wenn ich ansonsten kein Fan langatmiger Intros bin, aber „Spádómurinn“ (auf Deutsch „Die Prophezeiung“) passt genau zu dieser Art Musik. Rabenvögel, Wind, geflüsterte bzw. kraftvoll-pathetisch gesprochene Worte in der Landessprache. „Dísablót“ („Göttin Blot“) startet mit einem kräftigen Bass, zu dem sich später Gitarren gesellen. Hugrún Hanna Stefánsdóttir singt hoch, teilweise stark an der Schmerzgrenze. Aber keine Angst, sie kann es auch ruhiger und tiefer, will sagen angenehm klingender. Guðlaug sitzt allein in einer Bar und wird in einen uralten Ritus hineingezogen, infolgedessen sie in die Vergangenheit versetzt wird. Bei „Heljarhlíð“ („Höllenhügel“) scheint sich dann tatsächlich die isländische Hölle aufzutun. Ob damit der Vulkan Hekla gemeint ist, der im Mittelalter als deren Eingang galt? Guðlaug wird in einen Konflikt hineingezogen und verteidigt sich mit ihren Elektroschocker. Harte rhythmische Riffs, die irgendwie majestätisch wirken werden unter legt von den Growls des Keyboarders Ólafur Daði Jónsson. Der hohe, ein wenig angstvoll klingende Gesang von Hugrún bildete dazu den Kontrast. „Kappar, Meyjar, Komendur“ („Ritter, Dienstmädchen, Gäste“) ist ein Intro aus von akustischen Gitarren begleiteten gesprochenen Worten für das nachfolgende „Fögnuður“ („Freude“) – einem mitreißenden Folk-Metal-Party-Song. Bei diesem Trinklied kann man neben kraftvollen Gitarren eingängige Gesangs-Passagen hören. Der Höhepunkt ist ein Keyboard-Solo. So gestalten sich die Festlichkeiten nach einer überstandenen Schlacht. Nach Ende der Feier, wenn die Gäste eingeschlafen sind, stürmt eine Räuberbande die Halle, weil sie glauben, dass Guðlaug eine Hexe ist, die mit ihrer Magie den Ausgang der Schlacht beeinflusst hat. In „Nornarheimt“ („Hexentreffen“) wird sie deshalb entführt. Der wohl härteste Song des Albums wird dominiert von galoppierenden Gitarren, stampfenden Schlagzeug und hektischem Gesang. Eigentlich ist „Svartigaldur“ („Schwarze Magie“) ein isländisches, metallisch angehauchtes Seemannslied. Der Zeitreisenden wird eben genau die Verwendung ihrer magischen Kräfte vorgeworfen. Deshalb wurde sie an den Mast eines Bootes gefesselt. Neben den Trommeln sind kreischende Seevögel zu hören. Harscher und klarer Gesang wechseln sich ab. In „Heimþrá“ („Heimweh“) wünscht sich Guðlaug zurück nach Hause in das Island der Gegenwart. Melodische Keyboard-Riffs und Hugrúns wehmütige Gesang stehen im Mittelpunkt. „Örlagavegur“ („Straße des Schicksals“) ist ein fast elfeinhalb Minuten langes, mehrsätziges Epos mit vielen Tempo- und Rhythmuswechseln. Harte Riffs wechseln mit vielen schönen Melodien ab. Guðlaug ringt mit einer Entscheidung. Soll sie zurück in ihre Gegenwart oder soll sie in der Vergangenheit verweilen. Obwohl sie von den Schicksalsgöttinnen eindringlich gebeten wird in die Gegenwart zurückzukehren, entscheidet sie sich für die Vergangenheit. Und verändert dank ihrer besonderen Kräfte die Geschichte Islands.

Auf „Guðlaugar Saga“ hören wir eine beeindruckende Mischung aus unterschiedlichen Spielarten des Heavy Metal und isländischer Folklore. Und diese Gratwanderung gelingt Hrafnablót ausnehmend gut. Das ist wohl eines der besten Folk Metal Alben, das ich je gehört habe.

Hrafnablót – Heljarhlíð: https://youtu.be/f4mEwniTdVA?si=8tB8bhDIbZ5rFEBP

Lineup:

Hugrún Hanna Stefánsdóttir – Vocals
Þórgnýr Einar Albertsson – Bass, Backing Vocals
Ólafur Daði Jónsson – Keyboards, Backing Vocals
Steingrímur Viðar Karlsson – Guitar, Backing Vocals
Andri Pétur Dalmar – Drums, Backing Vocals
Mara Birna Jóhannsdóttir – Guitar

Label: Selbstrelease

VÖ: 11. September 2026

Spieldauer: 48:04

Titelliste:

  • Spádómurinn
  • Dísablót
  • Heljarhlíð
  • Kappar, Meyjar, Komendur
  • Fögnuður
  • Nornarheimt
  • Svartigaldur
  • Heimþrá
  • Örlagavegur
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