Ein Etikett draufzukleben fällt schwer – Interview mit Queen of Distortion

Sie sind noch eine junge Band, zumindest wenn man die Dauer des Bestehens berücksichtigt. Gegründet wurden Queen of Distortion im Jahr 2018. Von Musikern die zuvor bereits in anderen Bands aktiv waren. Kennengelernt habe ich die Band durch ein Livestream Konzert aus der Coroncert-Reihe. Sicherlich, das Konzert fand zumindest unter akustisch idealen Bedingungen statt, aber echte Live-Atmosphäre kam nicht auf. Der Zuschauer konnte sich aber anhand der Songs eine Meinung über die Band bilden, und die fiel äußerst positiv aus. Nach mehreren Singles und (Live-) EPs erschien kürzlich das Debüt-Album „Checkmate!“. Ein bemerkenswertes Debüt. Es war somit an der Zeit bei der Band über Geschichte und künftige Pläne nachzufragen.

KoR:  Hallo, ich bin Rainer und schreibe für Keep on Rockin‘. Danke, dass ich dieses Interview mit Euch machen darf. Wie geht es Euch?H

Chris: Wir sind gerade sehr glücklich, das Album ist jetzt draußen, wir haben letzte Woche unser allererstes Konzert mit Publikum seit Februar letzten Jahres gehabt, und es war einfach ein grandioses Gefühl endlich wieder Live-Atmosphäre zu schnuppern.

KoR: Queen of Distortion bestehen ja noch nicht so lange. Stellt die Band bitte kurz vor!

Queen of Distortion - ThronQoD:

Chris T’Anti: Vocals
Torsten Schirmer: Gitarre
Mike Richter: Gitarre
Carsten Bätge: Bass, Backing Vocals, Keyboard
Holger Schilling: Drums

Gegründet Anfang 2018 in Braunschweig

Discographie

Rising from the fallen – EP 2019
Live from the fallen – Live-EP (online) 2020
Checkmate! – Full length CD 2021

KoR: In Eurer Band-Bio steht, dass Ihr vorher in diversen anderen Bands gespielt habt. Erzählt bitte etwas mehr zu Eurem musikalischen Werdegang.

Chris: Ich habe Operngesang studiert, war aber trotzdem immer sehr gern quer durch alle Genres unterwegs. Ich habe sehr lange in diversen Top40, Funk-and-Soulbands und auch sogar mal in einer Salsaband gesungen. 2018 wechselte ich nach einem Aufbaustudium in Kopenhagen ins „harte Fach”.

Carsten: Mit 14 Jahren habe ich mir den Bass autodidaktisch erarbeitet, nach meiner ersten Band zu Schulzeiten (Deutsch Rock/Pop/Reggae) habe ich 1986 das Metal-Trio „Alien Power“ gegründet, wo ich zum Bass auch den Leadgesang übernommen und live zusätzlich auch Basspedale gespielt habe. Die Band hat sich 1994 aufgelöst, weil unser Drummer Arthrose in den Knien bekam und wir keinen auch nur annähernd technisch so versierten Ersatz gefunden hatten. Ich bin dann bei „Random“ aus Düsseldorf eingestiegen, habe an zwei Produktionen mitgewirkt und auf der Europatour im Vorprogramm von „U.D.O“ mitgespielt. Auf der Tour wurde leider unsere Backline gepfändet, weil die Plattenfirma den Busunternehmer nicht bezahlt hat. Danach hatte ich die Nase voll und wollte nie wieder Musik machen. Der Entschluss hielt aber nicht lange an und ich habe mir ein Heimstudio aufgebaut und mit dem alten Gitarristen das nächste Album von „Alien Power“ eingespielt. Dadurch war die Lust auf Live-Musik wieder so groß, dass wir „Carbid!“ gegründet haben, aber als reine Hobby- und Coverband. Der Gitarrist hat dann mehrfach gewechselt und wir haben doch wieder eigene Musik gemacht und zwei CDs veröffentlicht.

Torsten: Mit 13 Jahren, als Maiden Fan, habe ich angefangen, mit der Gitarre meines Vaters zu üben. Sehr schnell habe ich dann Metallicas „Kill`em all“ rauf und runter gespielt, jeden Tag. Mit 17 dann in der ersten Band „Silent Terror“ (Thrash Metal) die ersten Gigs gespielt. Dann kurze Pause (Skaten) und mit 21 gings dann wieder mit Gothic Metal auf die Bühne, damals bei „Suspiria“. Dann bei „Mandrake“ und danach die erste Heavy Metal Truppe „Gladiators“. Nach einem Jahr aber schon der Wechsel zu „Mathyr“ – Death Black Metal aus Sonneberg. Da haben wir viele Gigs gespielt und eine CD aufgenommen. 2006 bin ich dann zur Death Metal Truppe „Disrepute“ gewechselt. Auch sehr viele Gigs in sehr kurzer Zeit gespielt. Ab 2009 dann bei „Time to Bleed“ schönen Old school Death Metal gespielt und auch eine CD aufgenommen. 2015 bin ich dann zu „Carbid!“ gestoßen… daraus wurde dann ja „Queen of Distortion“…

Holger: Ich bin in meiner Jugend mit Bands wie Deep Purple, Iron Maiden, Judas Priest, Saxon, Accept und Queensryche aufgewachsen. Mit 15 Jahren habe ich das Schlagzeug spielen angefangen, ohne Lehrer, einfach so. Mein Bruder hat Gitarre gespielt und mich mal in den Proberaum seiner Band mitgenommen. Da stand ein Schlagzeug. Also habe ich mich drangesetzt und losgelegt. Den Rest habe ich mir selbst autodidaktisch beigebracht, hier und da was abgeguckt, Songs angehört, nachgespielt und viel ausprobiert. Das war eine harte Zeit, Youtube gab es noch nicht, MTV war erst im Kommen. Mit 18 habe ich dann mit Freunden zusammen eine Band gegründet und Metal-Songs gecovert. Da wurde dann ein anderer Musiker auf mich aufmerksam, hat mich für eine 70/80er Jahre Coverband abgeworben. Da habe ich dann ein paar Jahre Hardrock-, Rock-, Blues- und Country- und Rock’n’Roll-Songs spielen müssen, obwohl ich davon keine Ahnung hatte, wie man das spielt. Da habe ich viel lernen müssen. Aber immerhin hatten wir pro Jahr ca. 25 Gigs in Kneipen und Stadtfesten. Mit 25 bin ich bei einer Southern-Rock-Band eingestiegen. Wir haben nur Eigenkompositionen gespielt und waren damit durchaus erfolgreich. Aber wegen personellen Wechseln zerbrach die Band. Hinzu kam bei mir mit Ende 30 die Arbeit, viele unterwegs auf Dienstreisen, da war Musik als ambitioniertes Hobby, mit regelmäßigen Proben unter der Woche, nicht mehr möglich. Aber ich bin am Ball geblieben, habe weiterhin für mich alleine geübt und Schlagzeug zu Songs von Mr. Big, Gary Moore oder Dream Theater gespielt. 2015 habe ich dann am Schwarze Brett eine Suchanzeige gelesen „Metalband sucht Drummer“ und mir gedacht: „Fragen kann man ja mal“. So bin ich zur Band „Carbid!“ gekommen, sozusagen die „Vor-Ära“ von „Queen of Distortion“.

Mike: Als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, habe ich natürlich erstmal meine Lieblingssongs gelernt. Nach einer Zeit wollte ich dann wissen, wie es ist, vor Leuten zu spielen und hatte meinen ersten Auftritt vor meinen Freunden. Ich habe mich schon immer in der Richtung Hardrock und Metal bewegt und daher versucht, Anschluss an Bands dieser Kategorie zu finden. Bis ich meine Leidenschaft für dem straighten Metal entdeckte.

KoR: Wie habt Ihr Euch kennengelernt? Warum habt Ihr Euch entschlossen, eine neue Band zu gründen?

Carsten: Die Band „Carbid!“ wurde fast 18 Jahre alt, in der Endphase stiegen erst der Drummer und dann der Gitarrist aus, so kamen erst Holger und dann Torsten als Ersatz am jeweiligen Instrument dazu. Als unser Sänger dann starke Probleme mit der Stimme bekam, die nicht wieder verschwanden, haben wir die Band aufgelöst, aber wir drei wollten zusammenbleiben. Wir suchten nun einerseits nach einem neuen Sänger oder Sängerin, wobei mir von Anfang an der Gedanke an eine Sängerin wegen der anderen stimmlichen Möglichkeiten besser gefiel. Andererseits suchten wir nach einem zweiten Gitarristen, weil wir nicht im gleichen Stil wie bei „Carbid!“ weitermachen wollten. Es sollte ein deutlicher Neuanfang werden.

Queen of Distortion - Band Queen of Distortion - Photo

Chris: Holger hatte eine Anzeige geschaltet, die habe ich zufällig gesehen und ihn daraufhin kontaktiert. Er schickte mir dann Material, „God of Games“, das heutige „Hellfire“ und „Bloody rain“. Die Musik und die Energie, die darin steckt hat mich gleich angesprochen und offensichtlich gefiel den Jungs meine Art zu singen. Und hier sind wir!

Carsten: Mit dem zweiten Gitarristen hatten wir nicht so schnell Glück. Wir hatten zwar einige Kandidaten, aber die blieben nicht sehr lange, so dass wir im Herbst 2018 zu viert ins Studio gingen und Torsten alle Gitarrenparts für die EP „Rising from the fallen“ alleine spielte, wobei die Arrangements schon klar für zwei Gitarren ausgelegt waren. Direkt nach dem Studio fanden wir einen zweiten Gitarristen, mit dem wir dann ein Jahr zusammenspielten. Im Herbst 2019 verließ er uns und wir fanden dann Mike über eine Anzeige. Wobei Mike sich ironischerweise bereits 2018 bei uns beworben hatte, aber leider genau in dem Moment, als wir uns gerade für den anderen Gitarristen entschieden hatten, so dass es nicht mal mehr zu einem Kennenlernen kam. Mike: Ich hatte bei Facebook gelesen, dass „Queen of Distortion“ noch einen zweiten Gitarristen suchen, mich darauf gemeldet und mich vorgestellt.

KoR: Beschreibt bitte den musikalischen Stil von Queen of Distortion.

Carsten: Das ist eine schwierige Frage… verwurzelt sind wir auf alle Fälle in den 80ern, aber schon dadurch, dass jeder seine Einflüsse einbringt und z.B. Holger ein Faible für „Dream Theater“ und Torsten für Death Metal hat, gibt es viele Elemente, die die Musik bereichern und farbiger machen. Viele schnelle Songs und Nackenbrecher-Parts, aber auch kontrastierende ruhige Passagen, stampfende, treibende Rhythmen, aber auch technische Spielereien, eingängige Refrains mit Hooklines zum Mitsingen… insgesamt könnte man es vielleicht Melodic Metal nennen, irgendwie auch Heavy-Power-True-Progressiv… ein Etikett draufzukleben fällt schwer.

KoR: Das Album wurde augenscheinlich während der Pandemie aufgenommen. Wie hat dies die Studioarbeit beeinflusst?

Chris: Wir sind immer einzeln im Studio aufgeschlagen und mir persönlich fehlte schon ein wenig das gemeinsame im-Regie-Raum Hocken. Herausfordernd war für mich außerdem, dass beim Einsingen meiner Spuren eine Gitarre fehlte, was aber gerade terminlich nicht anders machbar war.

Carsten: Ich kenne Studioarbeit meistens so, dass man mit dem Tontechniker alleine ist und seine Parts einspielt, ich empfand das jetzt nicht unbedingt als anders gegenüber den anderen Produktionen, an denen ich mitgewirkt habe.

Mike: Die Studioarbeit fand ich sehr effizient. Man musste sich zwar leider einzeln treffen, aber wir haben dennoch alle ein super Ergebnis rausgeholt.

KoR: Seid Ihr zufrieden mit dem Album? Wie waren die Reaktionen von Fans und Presse?

coverChris: Ich bin ja normalerweise extrem mäkelig, wenn es um meine Sachen geht, aber ich muss sagen, ich finde, wir haben das super hinbekommen, auch der Mix bzw. Sound gefällt mir richtig gut. Die Reaktionen sind durchweg erfreulich positiv, was mich sehr stolz macht, denn es steckt ja viel Herzblut und sehr viel Persönliches drin.

Carsten: Ich habe mal nachgezählt: Das ist jetzt die zehnte Produktion, auf der ich zu hören bin und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben wirklich zufrieden. Genau genommen höre ich z.Z. privat überhaupt nichts anderes mehr, ich bin wirklich begeistert. Und da es im Moment extrem positive Reviews regelrecht „hagelt“, werden wir auch ständig bestätigt. Insbesondere der persönliche Zuspruch der Fans ist etwas, was sich einfach klasse anfühlt.

Holger: Ich finde, wir haben ein super Ergebnis hinbekommen. Dafür, dass wir uns nur unter erschwerten Bedingungen wegen der Pandemie vorbereiten konnten. Klar kann man hinterher immer sagen, hier und da hätte man etwas anders oder „besser“ machen können, aber wir hatten kein unendliches Budget und somit auch nur bestimmte Zeit für die Aufnahmen. Ich persönlich bin sehr zufrieden und finde die Scheibe einfach geil.

Mike: Ich finde das Album wirklich sehr gelungen und bin mehr als zufrieden. Die Reaktionen von Fans und Presse sind sehr positiv, was mich sehr freut und zeigt, dass wir das Beste daraus gemacht haben.

KoR: Apropos Covid. Ich habe Euch durch einen Internet-Livestream kennengelernt. Wie waren Eure Gefühle in einem Saal aber ohne Zuschauer aufzutreten?

Chris: Das war für mich als Sänger sehr schwierig. Letztendlich lebt ein Konzert ja von der Interaktion Band-Publikum, das Publikum gibt viel Energie, was wiederum die Musiker anspornt. Und in diesem Zusammenspiel entstehen diese „magischen” Momente, und man pusht sich gegenseitig. Wenn man dann einfach nur in eine schwarze Halle blickt, fehlt etwas. Aber letztendlich war ich trotzdem sehr froh über die Möglichkeit, dort auftreten zu können. Ich fand es toll, dass Leute sich Gedanken um Alternativen machten, kreativ geworden sind und so ein Projekt auf die Beine gestellt haben!

Carsten: Immerhin hatten wir den Live-Chat auf dem großen Monitor, das war ja schon mal was. Und da ja alles aufgezeichnet wurde, haben wir aus dem Konzert dann die Live-EP „Live from the fallen“ online veröffentlicht. Sicherlich eine etwas andere Livescheibe ohne Publikum, aber in gewisser Weise auch ein spannendes Zeitdokument. Und die Livevideos dieser EP sind auch auf unserem Kanal bei Youtube zu sehen.

Mike: Es war ein merkwürdiges Gefühl, keine Zuschauer vor sich zu haben. Gerade durch die Zuschauer wird erst ein Konzert unvergesslich und macht unglaublich Spaß.

QUEEN OF DISTORTION live in Isernhagen 2020_06_19 Queen of Distortion Live 3

KoR: Nach langer Bühnenabstinenz konntet Ihr vor einigen Wochen die Release-Party gemeinsam mit Euren Fans feiern. Das muss doch eine Befreiung für Euch Musiker gewesen sein?

Chris: Absolut. Ich zehre immer noch davon!

Carsten: Nach so langer Zeit ein absolut spannender Gig. Wir wissen nun, wie positiv das neue Album und die gesamte Konzeption von den Fans aufgenommen wird und haben schon eine Menge Ideen gesammelt, was wir live noch umsetzen werden. Aber dazu werden wir vorerst noch nichts verraten.

Holger: Es war einfach ein schönes Gefühl wieder unter Live-Bedingungen spielen zu dürfen, mit Publikum und Fans, die Begeisterung zu spüren, Applaus und Jubel nach einem Song, das ist doch was komplett anderes als bei einem Live-Stream mit Totenstille nach jedem Song.

Mike: Ja, das war einfach der Hammer, wieder vor Leute zu stehen und mit ihnen nicht nur ein Konzert, sondern auch unsere Release-Party zu feiern.

KoR: Was plant Ihr für die Zukunft. Ist ein weiteres Album geplant? Werdet Ihr, wenn die Pandemie endlich vorbei ist, auch auf Tour gehen?

Chris: Was macht man, wenn man nicht auftreten kann, man arbeitet am neuen Album… Insofern ja, es wird ein neues Album geben.

Mike: Ich hoffe sehr, dass wir wieder normal auftreten können und auch bald mal eine Tour machen können. Bis dahin wird erstmal weiter an neuen Songs gearbeitet.

Carsten: Unsere Kreativität ist ungebremst, wir haben ca. 80% des Materials für ein neues Album zusammen, das Konzept und Ideen für ein Artwork stehen auch bereits… Und wir haben bereits mit den Dreharbeiten für ein neues Video begonnen. Nach den Videos zu den Single-Auskopplungen „Nightmares“ und „Bloody Rain“ sowie dem Titelsong „Checkmate!“, die auf dem Youtube-Kanal des Labels zu sehen sind, wird es auch ein Video zum Opener „Throne of Destruction“ geben. Und natürlich wollen wir wieder live spielen, im Moment sind wir gerade in Vorbereitung, um das Album auch gehörig präsentieren zu können. Und eine Release-Tour ist bereits in Planung.

Queen of Distortion - Heads Queen of Distortion - Schachbrett

KoR: Ich bedanke mich noch einmal für das Interview. Wollt Ihr Euren Fans zum Abschluss noch etwas sagen?

Chris: Vielen Dank an alle Freunde und Fans für eure Unterstützung. Wir freuen uns auf weitere tolle Konzerte mit euch!

Mike: Ein Riesendank an alle Freunde und Fans, Ihr seid der Hammer! .

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