InHuman ist mehr ein Schmiedehammer, Bulldozer und Tornado auf einmal – Interview mit InHuman

Band Photo 2020InHuman sind eine neue Band, oder wieder auch nicht. Unter dem Namen Anwynn kannte man die Musiker seit mehr als zehn Jahren. Vor allem in den Benelux-Staaten, aber auch in Frankreich. Mehrere Alben/EPs, Demos und eine Live DVD wurden bisher veröffentlicht. Apropos live. Ich konnte die Band zweimal beim Metal Female Voices Fest im belgischen Wieze live erleben. Aber wie bei vielen anderen kleineren Bands gab es in dieser Zeit auch sehr viele Umbesetzungen. Ich weiß gar nicht, ob noch ein Gründungsmitglied mit an Bord ist. Im vergangenen Jahr erfolgte die Umbenennung / Neugründung der Band. „Anwynn is dead. Long live InHuman!“ – steht auf der Homepage. Und auf der Facebook-Seite findet man den Namen „InHuman / ex-Anwynn“. Unter dem Namen InHuman wurde ein neues Album aufgenommen. Also hatte ich selbstverständlich viele neugierige Fragen an die Band. Und Sängerin Eline stand mir Rede und Antwort.

KoR: Hallo. Ich bin Rainer und schreibe für Keep on Rocking. Danke, dass ich dieses Interview mit Euch führen kann. Wie geht es Euch?

Eline: Hallo Rainer! Sehr gerne, und natürlich freue ich mich, mit dir über unser Album zu plaudern. Mir geht es sehr gut, danke, ich hoffe, Dir geht es auch gut!

KoR: Ja, danke. Hinter Euch liegt ein wohl ereignisreiches. Die Ära Anwynn wurde beendet. Die Ära InHuman gestartet. Stellt Euch bitte kurz vor. Wer war Anwynn, wer ist InHuman?

Eline: Nun, Anwynn war eine Band, die sich mehr auf keltische Mythologie und verwandte Themen konzentrierte. Die Musik hatte einige Anklänge an Death Metal, mit einem eher folkigen Gefühl dazu. Hier und da gab es sogar ein paar Anspielungen auf Viking Metal. InHuman entfernt sich komplett von dem mythologischen Aspekt und ist musikalisch viel aggressiver. Wir zielten mehr auf ein Filmmusik-ähnliches Gefühl ab, auf einem soliden Fundament aus harten Riffs und donnernden Drums.

KoR: Warum habt Ihr Euch nach so vielen Jahren entschieden, den Namen zu ändern? Ist das eine reine Namensänderung oder eine Neugründung?

Eline: Die Namensänderung war eher eine Konsequenz als ein Gründungskonzept. Während des Schreibens des neuen Materials, der Ausarbeitung neuer Konzepte und der Entwicklung passender Visuals haben wir uns immer weiter von dem entfernt, was Anwynn war. Dazu kommt, dass außer Astrid und mir alles neue Leute in der Band sind. Erst bei einem letzten Brainstorming, wie wir unser neues Material veröffentlichen sollten, kam das Gespräch auf eine Namensänderung. Bei all dem, was passiert war, fühlte es sich wie die natürliche Konsequenz der Dinge an, und auch wie ein perfekt passender Zeitpunkt, dies zu tun. Also machten wir damit weiter.

KoR: Wie unterscheiden sich Anwynn und InHuman musikalisch?

Eline: Ich denke, Anwynn ist ein bisschen zugänglicher, in dem Sinne, dass hier weniger abgeht. Es gibt ein paar grundlegende Riffs, eine Melodie darüber und ein Duo aus cleanen Vocals und Grunts. InHuman ist mehr ein Schmiedehammer, Bulldozer und Tornado auf einmal; es ist bösartig in seinen Grundlagen und es ist wesentlich vielschichtiger in den Orchestrierungen und Chören. Darüber hinaus wird die Dynamik zwischen den beiden Vocals voll ausgeschöpft.

KoR: Wenn ich das richtig sehe, ist offensichtlich kein Gründungsmitglied mehr in der Band. Wie habt Ihr die ständigen Lineup-Wechsel verarbeitet?

Eline: Wir versuchten, flexibel zu bleiben und uns so gut wie möglich an die veränderten Umstände anzupassen, während wir im Hintergrund an einem neuen Sound arbeiteten. Das war nicht immer einfach, aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Wir hoffen, dass wir mit der Band so weitermachen können, wie sie momentan ist; es gibt bereits einige coole neue Ideen, und wir freuen uns darauf, gemeinsam daran zu arbeiten.

KoR: Ihr seid eine kleine Band, allerdings mit vielen Mitgliedern. Ihr müsst alle Arbeiten, die eigentlich von einem Management bzw. Platten-Label übernommen werden, selbst durchführen. Wie sind die Aufgaben bei Euch verteilt?

Eline: Ich nehme an, Du meinst die Aufgaben, die nicht direkt mit dem Musikmachen zu tun haben; was diese angeht, versucht jeder von uns, ein paar Aufgaben zu übernehmen. Meistens basiert das auf persönlichen Vorlieben, oder manchmal ist es einfach eine Frage, wer die Zeit hat, sich um etwas zu kümmern. Es gibt eine Person, die den Überblick über alles hat und die Termine und das, was zu tun ist, verwaltet: das ist Astrid. Alles wird immer offen unter uns allen besprochen, aber sie trifft die letzte Entscheidung und sorgt dafür, dass am Ende alles erledigt ist.

KoR: Seit der letzten Anwynn-EP „Swords & Blood“ sind mehr als fünf Jahre vergangen. Das Debüt-Album „Forbidden Songs“ liegt noch weiter zurück. Abgesehen von der Live DVD (2017) war es ruhig um die Band. Warum diese lange Pause? War diese „Ruhe“ auch einer der Gründe für eine Neugründung? Also die „Ruhe vor dem Sturm“?

Eline: Es war definitiv die Ruhe vor dem Sturm! Es war keine bewusste Pause; im Hintergrund lief eine Menge ab. Wir wussten, was für ein Album wir wollten, und wie es aussehen sollte. Es gab diese „Master-Vision“, bei der wir keine Kompromisse eingehen wollten, und alles musste perfekt sein. Und es stellte sich heraus, dass dies ein riesiges Projekt war, bei dem so viele Dinge eine Rolle spielten. Keiner von uns wusste wirklich, dass so viel dazugehört, geschweige denn, wie wir es managen sollten, als wir den Prozess begannen. Deshalb hat es auch so lange gedauert, weil wir nach und nach dazugelernt haben. Aber wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, und für uns hat sich das Warten definitiv gelohnt!

KoR: Ihr habt das neue Album bzw. das InHuman-Debüt-Album während der Corona-Pandemie aufgenommen. Wie ist Euch das trotz all der Einschränkungen und behördlichen Vorgaben gelungen?

Eline: Tatsächlich wurden die Aufnahmen des Albums bereits gegen Ende 2018 abgeschlossen. Die virtuellen Orchestrierungen, das Mischen und Mastern erfolgten ab Anfang 2019. Auch unsere Videos wurden in diesem Zeitraum aufgenommen. Die Corona-Pandemie hat unseren Veröffentlichungs- und Promo-Zeitplan einfach durcheinandergebracht, denn das Material war da. Wir mussten nur eine Weile darauf sitzen bleiben, während wir überlegten, wie wir mit der Situation umgehen sollten, zusammen mit allen anderen.

KoR: Beschreibt bitte kurz den Sound des neuen Albums. Von welchen Themen handeln die Song-Texte?

Eline: Wenn ich mit einer Beschreibung aufwarten müsste, wäre es „larger than life“. Der Sound ist so überwältigend und bodenständig zugleich, mit einer Menge Theatralik als Krönung. Ich bin mir sicher, dass der Satz „Es gibt nichts, was zu bombastisch ist“ irgendwann während der Entstehung dieses Albums geäußert wurde. Was die Texte angeht, so handeln sie von allem, nun ja, Menschlichen. Alle Texte auf dem Album wurden von Astrid und mir selbst geschrieben. Astrid ist Psychiaterin und generell eine sehr neugierige Person, mit einer Faszination für Psychopathen und die Wirkung von Halluzinogenen auf das Gehirn. Das inspiriert sie zu vielem, was sie schreibt. Ich neige dazu, mehr über persönliche Kämpfe und Beobachtungen über die Gesellschaft und die Menschheit als Ganzes zu schreiben. Die Kombination aus beiden Aspekten sorgt für ein breites Spektrum an Themen und Emotionen, die wir durch unsere Musik ausdrücken können.

KoR: Wie läuft bei Euch das Songwriting? Beteiligen sich alle Bandmitglieder beim Schreiben neuer Songs?

Eline: Ja, das tun wir. Es ist ein langsamer und manchmal sehr frustrierender Prozess, aber am Ende haben wir Material, das von jedem etwas enthält. Jeder von uns schreibt in erster Linie für sein eigenes Instrument, aber niemand ist nur auf dieses beschränkt. Auch ist niemand an jedem Song im gleichen Maße beteiligt; manchmal fügt man nur eine Melodie oder eine Strophe hinzu. Manchmal wacht man mit der Idee für einen ganzen Song im Kopf auf, zu dem die anderen weniger beitragen. Außerdem haben wir alle sehr unterschiedliche musikalische Geschmäcker und Hintergründe, was sich meiner Meinung nach sehr gut in unserer Musik und der Banddynamik niederschlägt.

KoR: Was planen InHuman für die Zukunft (nach Corona)?

Eline: Wir hoffen, dass wir das Album erst einmal richtig live spielen können. Wir wollen unbedingt wieder anfangen, Shows zu spielen, ein Gefühl, das wohl jeder Musiker im Moment teilt, da bin ich mir sicher. Wir hoffen, dass dieses Album uns einige schöne Möglichkeiten bietet, vielleicht sogar auf der internationalen Bühne. Wir werden mit allem glücklich sein, was wir auf unserem Weg finden.

KoR: Ich bedanke mich noch einmal für das Interview. Wollt Ihr den Fans zum Schluss noch etwas sagen?

Eline: Vielen Dank, dass ihr alle zu uns gehalten habt und diesem Album einen großen Zuspruch gegeben habt. Eure Worte haben unsere Herzen erwärmt! Wir hoffen, Euch alle bald wieder zu sehen. Haltet noch ein bisschen durch, die Live-Musik kommt wieder. Passt auf Euch auf!

InHuman sind:

Dietwin – Vocal
Eline – Vocals
Astrid – Keyboard
Eerik – Guitar
Julien – Bass
Romain – Guitar
Yuki – Drums

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