Bewertung
Album (40%): 9/10
Cover-Art (20%): 10/10
Songwriting (40%): 10/10
ø: 9,6/10
Sängerin Kirsten Jørgensen und Bassist Stein Sund haben die norwegische Death/Doom Metal Band Evig Natt 2023 gegründet. Zunächst als Studioprojekt. Kurz darauf stieß Schlagzeuger Harald Magne Revheim dazu. 2004 erschien ein Demo mit sechs Songs. Das Debüt „I Am Silence“ wurde 2007 veröffentlicht. Fünf der Demo-Songs und zwei neue waren dort zu hören. Zwei weitere Alben folgten später. Allerdings liegt das selbstbetitelte dritte Album schon zehn Jahre zurück. Die Band war nicht untätig und spielte mehrere Live-Shows. Aber dann zog es den Schlagzeuger nach Asien. Auch familiäre und berufliche Verpflichtungen und später die Covid Pandemie behinderten den kreativen Songwriting-Prozess erheblich. Im Jahr 2024 konnten sie Tom Andre Enge (auch Gitarrist bei Einherjer) als Schlagzeuger gewinnen. Danach ging es wieder schneller voran. Jetzt ist das vierte Studio-Album „Vaketimen“ (Deutsch „Die Wachstunde“) fertiggestellt. Ich habe Evig Natt im Jahr 2016 bei ihrem Auftritt auf dem Metal Female Voices Fest in Belgien kennengelernt.
„Shimmer“ ist ein kurzes Intro mit e-Piano und Streichern. Erst bei dem übergangslos startenden „Last Of The Light“ wird es hart. Schnelle Riffs und die bitterbösen Growls von Bassist Stein Sund dominieren zunächst. Der ätherische Gesang von Kirsten Jørgensen steht dazu in starkem Kontrast. In der Mitte sorgen Piano und Streicher für etwas Besinnlichkeit. Auch „Death“ wird von harten Riffs bestimmt. Kirstens Gesang ist rauer, klingt aber trotzdem verführerisch. Und wechselt sich ab mit den Growls, zum Teil als Duett. Bei „Når Lyset Svikte“ (auf Deutsch „Wenn das Licht ausgeht“) ist zunächst eine Piano-Einleitung zu hören, bevor Streicher und harte Gitarre für eine Mischung aus Epik und Metal sorgen. Ruhige Klänge sind vorherrschend. Das instrumentale Zwischenspiel „Gråtaslaget“ ist ein traditionelles norwegisches Musikstück. Hier fungiert es als Überleitung zum kraftvollen „Sorrow My World“. Die Riffs walzen sich förmlich aus den Boxen und verbreiten Düsternis. Dies wird durch Growls noch verstärkt. Lediglich der weiblich Klargesang sorgt für ein wenig Auflockerung. Mit „In The Darkness“ folgt eine kurze düstere Ballade, bei der der Gesang von Kirsten Jørgensen minimalistisch von Piano-Akkorden und Streicher-Teppichen begleitet wird. „Eahparas“ ist ein Begriff aus der samischen Folklore und Mythologie. Die Übersetzung ins Deutsche scheint nicht so einfach zu sein. Es bedeutet so viel wie „Geist eines toten (neugeborenen) Kindes“ oder „ruheloses Kindesgespenst“. Zu Beginn sind ruhige Gitarren-Akkorde zu hören, zu denen sich dezentes Schlagzeugspiel gesellt. Kirstens gefühlvoller Gesang vermag erneut zu beeindrucken. Dieser steht eindeutig in Kontrast zu Steins bösen Growls. Auch „Tallemaja“ hat einen Bezug zur skandinavischen Folklore. Die wörtliche Übersetzung ist „Kiefern-Marie“ und bezeichnet einen verführerischen weiblichen Waldgeist. Harte Riffs leiten den Song ein. Dann wird es jedoch ruhig und „Waldgeist“ Kirsten Jørgensen verführt den Hörer mit ihrer bezaubernden Stimme. Allerdings klingen die Growls weniger verführerisch. Auch im Schlusssong „At The End Of The Night“ ist eine Piano-Einleitung zu hören. Das Piano unterlegt später gemeinsam mit Streichern den ätherischen Gesang. Eine zauberhafte Ballade zum Ausklang.
Das Album „Vaketimen“ macht seinem Namen alle Ehre. Der Begriff umschreibt ein sehr spezifisches, emotionales Konzept – eine stille, dunkle, aber intime Atmosphäre der Trauer und des Abschieds. Und diesen Emotionen trägt jeder einzelne Song auf dem Album Rechnung. Es lässt den Zuhörer in einer äußerst nachdenklichen Stimmung zurück. Und ich denke, genau diese Stimmung wollen Evig Natt hier vermitteln. Und es gelingt der Band hervorragend.
Evig Natt – Death: https://youtu.be/qSUEaUzN874?si=Ld1omveE89J7w3UF
Lineup:
Kirsten Jørgensen – Vocals
Stein Sund – Vocals, Bass
Arne Marton Tangjerd – Guitar
Ruben Osnes – Guitar
Tom Andre Enge – Session drummer
Label: Wormholedeath
VÖ: 20. Februar 2026
Spieldauer: 49:17
Titelliste:
- Shimmer
- Last Of The light
- Death
- Når lyset svikte
- Gråtaslaget
- Sorrow My world
- In The Darkness
- Eahparas
- Tallemaja
- At The End Of The Night
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