Hamburg Metal Dayz 2017

Ort: Markthalle Hamburg
Datum: 22./23. September 2017

Das härteste Event zum Reeperbahn Festival – zum sechsten Mal fanden die Hamburg Metal Dayz unter diesem Slogan statt. In der Markthalle Hamburg, die in diesem Jahr das 40-jährige Jubiläum feiert. Veranstaltet wird das zweitägige Indoor-Festival von ICS (Wacken Open Air, Full Metal Cruise, …). Auch in diesem Jahr waren die Metal Dayz wieder ausverkauft.  Die Bilder vom Wochenende kann man auf Flickr sehen.

Freitag

Konzerte

Der Freitag-Abend startete mit einer Weltpremiere. Vier herausragende Metal-Sängerin standen auf der Bühne, vereint unter dem Namen Exit Eden. Vor wenigen Wochen erst erschien das Debütalbum “Rhapsodies In Black”, auf dem die vier Sängerinnen Pop-Smash-Hits im Heavy Metal Gewand neu interpretieren. Aber von Nervosität keine Spur. Man sah ihnen an, welchen Spaß sie gemeinsam auf der Bühne hatten. Und für die Brasilianerin Marina La Torraca war das sicherlich ein ganz besonderes Wochenende. Einen Tag später stand sie beim FEMME in Eindhoven mit ihrer Band Phantom Elite das erste Mal auf der Bühne.

Walking Dead on Broadway aus Leipzig hinterließen einen zweispaltigen Eindruck bei mir. Musikalisch gingen die Sachsen gnadenlos ab, aber die technisch verzerrten Growls konnten mich nicht begeistern. In dieselbe Kerbe schlugen dann Any Given Day aus Gelsenkirchen, allerdings ein klein wenig melodischer. Dritte Band in diesem Kontext war dann Der Weg einer Freiheit aus Bayern, Black Metal, mit dunkler Beleuchtung, passend zum Sound.

Zum Abschluss des Abends stand ich vor der Entscheidung die Ruhrpott-Thrasher Sodom oder niederländischer Doom Metal mit Dool. Ich entschied mich für die niederländische Dark-Rock Band um Sängerin und Gitarristin Ryanne van Dorst. Mit Micha Haring und Job van de Zande hat sie zwei Mitglieder der von Fans und Kritikern gefeierten Band The Devil’s Blood an ihrer Seite. Das war ein starker Auftritt und würdiger Abschluss des ersten Tages.

Setlist Dool:

  • Vantablack
  • Golden Serpents
  • She Goat
  • In Her Darkest Hour
  • Words on Paper
  • The Death of Love
  • Oweynagat
  • The Alpha

Rahmenprogramm

Das Besondere an den Hamburg Metal Dayz ist, es gibt nicht nur Musik sondern auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Hannes Finkbeiner las aus seinem Buch “Jogginghosen Henry” – ein Jugendlicher trifft auf einem Open Air Festival seine Traumfrau.

In der Gesprächsrunde “Traumberuf: Irgendwas mit Musik” diskutierten Experten Karriere-Möglichkeiten in der Musik-Branche. Ein harter Job, und eine Traum-Karriere kann man wohl kaum machen.

Im Großen Saal gab es einen Ausblick auf den Full Metal Mountain, einem mehrtägigen Metal Festival in der österreichischen Ski-Region Nassfeld (Kärnten). Moderator und Entertainer Maschine interviewte zwei der teilnehmenden Bands (Sodom und TuXedoo).

Große Frage, was ist eine Beercrate Session. Antwort Tom Angelripper (Sodom, Onkel Tom) sitzt vor der Bühne auf einem Bierkasten. Und der ehemalige Chefredakteur des Metal Hammer Christof Leim sitzt ihm gegenüber, ebenfalls auf einem Bierkasten. In diesem lockeren Gespräch erzählte der Musiker aus dem Ruhrpott Geschichten aus seinem langen Musikerleben. Und die traditionelle Fragestunde zum Wacken Open Air fand in diesem Jahr im Großen Saal statt.

Samstag

Konzerte

Der Samstag startete mit Metal Yoga. Yoga-Coach Saskia Thode brachte Körper und Geist der Metalheads so richtig in Schwung, umrahmt von harten Metal-Klängen. Genau die richtige Vorbereitung für den ersten Gig des Abends. Der Thrash Metal aus Hamburg mit Taste of Greed schlug voll auf die Zwölf.

Am Vortag swurden sie noch für das Full Metal Mountain Festival angekündigt, TuXedoo aus Oberösterreich. In traditioneller Landestracht präsentierten sie ihren “Original Austrian Alpencore” – eine Mischung aus traditionellem Thrash und Metalcore. Echt abgefahren.

Bei John Diva & The Rockets of Love kochte die mung in der Markthalle über. Der Musik-Coach und Songwriter aus Kalifornien zelebrierte mit seiner Band Hair-Metal vom Feinsten. Hits wie “Here I Go Again”, “Hush” oder “Paradise City” sorgten für riesige Stimmung. Und die Musiker machten so richtig auf dicke Hose, mit US-Flagge auf der Bühne und unterstützt von zwei hübschen Cheerleadern. Obwohl ausschließlich Cover-Versionen gespielt wurden, war diese energiegeladene Show für mich das absolute Highlight der Metal Dayz.

Und die Auftritte abgefahrener Bands ging danach weiter, Trollfest kamen auf die Bühne. Die Musiker aus Norwegen bezeichnen ihren Stil augenzwinkernd als “True Norwegian Balkan Metal”. Die Einflüsse bulgarischer Folklore waren nicht zu überhören.

Eigentlich sollte ex-AC/DC Schlagzeuger Phil Rudd die Markthalle rocken. Da dieser aber kurzfristig absagen musste, sprangen die deutschen Metal-Urgesteine Grave Digger in die Bresche. Ein gut aufgelegter Chris Boltendahl war sichtlich erfreut wieder in Hamburg zu spielen. Und Gitarrero Axel Ritt brillierte immer wieder mit hervorragenden Gitarrensoli. Der Große Saal der Markthalle war gut gefüllt. Die Spielfreude der Band sprang auch auf die Fans über.

Nach dem im MarX das Rahmenprogramm beendet war, stürmten Spoil Engine auf die Bühne. Iris Goessens, die Frontfrau der niederländisch/belgischen Truppe schrie sich die Seele aus dem Leib. Die Fans im zur Hälfte gefüllten kleinen Saal der Markthalle gingen begeistert mit.

Den Abschluss der Hamburg Metal Dayz machte “Deutschlands meiste Band der Welt” Knorkator. Bei “Alter Mann” kam Sänger Stumpen (Gero Ivers) in einem “Fell-Irgendetwas”, eine Mischung aus Yeti und zotteliger Dämon. Da war es sicherlich ziemlich warm drunter. So nach und nach entledigte er sich seines Pelzes. Wie schon bei anderen Auftritten, holte Stumpen die Photographen kurz auf die Bühne. Und es wurde gnadenlos herumgeblödelt, ob bei “Ich lass mich klonen”, “Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett” oder beim Schlusssong “Wir werden alle sterben”.

Setlist Knorkator:

  • Alter Mann
  • Ich lass mich klonen
  • Der ultimative Mann
  • Ich bin der Boss
  • Die Geschichte vom Mohren
  • Du nich
  • Fans
  • Highway to Hell (AC/DC cover)
  • Buchstabe
  • Konflikt
  • Geh zu ihr (Puhdys cover)
  • Eldorado (Goombay Dance Band cover)
  • Du bist kein Mensch
  • Ich will nur fickn
  • Du bist schuld
  • Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett
  • Eigentum

Zugabe

  • Böse
  • Weg nach unten
  • Wir werden alle sterben

Rahmenprogramm

Bei einer Gesprächsrunde im MarX wurde die Arbeit der Wacken Foundation vorgestellt. Es wurde erläutert, auf welche Weise junge Musiker oder auch Festivals finanziell unterstützt werden können. Danach gab Shout Coach Thomas Fischer Einblicke in Theorie und Praxis der Schreie im Metal. Damit Shouts, Growls und Screams gelingen, müssen die Sänger im wahrsten Sinne des Wortes hart trainieren.

Kriminalpsychologin Lydia Bennecke ging der Frage nach, warum die Metal Szene häufig mit satanistischen Verbrechen in Verbindung gebracht wird. Metallische Dichtkunst gab dann Marock Bierlej zum Besten – Metal Slam Poetry. Und in der Gesprächsrunde “What happens on tour, stays on tour… Rock’n’Roll-Geschichten von der Straße (Insider packen aus!)” erzählten Musiker, Veranstalter und Tour Manager, was tatsächlich auf Tourneen passiert.


Auch die sechsten Hamburg Metal Dayz boten zwei Tage abwechslungsreiche musikalische Unterhaltung und zwei Tage interessante Gesprächsrunden und Lesungen. Und der Termin für die siebte Auflage steht auch schon fest – am Wochenende 21./22. September 2018. Also auf ein Neues im nächsten Jahr.

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