Wir sind froh, nun endlich von der Kette gelassen zu werden – Interview mit „And Then She Came“

13346353_988384467944813_7587850961863398213_oKrypteria starteten als Musical-Projekt etwa um das Jahr 2003. Mit dem Song „Liberatio“, der beim RTL-Spendenaufruf zugunsten der Tsunami-Opfer 2004 als Hintergrundmusik lief, wurde das Projekt deutschlandweit bekannt. Der Song schaffte es auf Platz drei der deutschen Single-Charts. 2005 ist dann das eigentliche Jahr der Bandgründung. In den folgenden Jahren entwickelte sich Krypteria von einer Pop- zu einer Rock- und Metalband. Bis 2012 erspielten sich die vier eine immer größere Fan-Basis, u.a. durch Auftritte auf dem Metal Female Voices Fest und als Support für Subway To Sally und Doro. Dann nahm sich Sängerin Ji-In Cho eine Auszeit, weil sie Mutterfreuden entgegen sah. Es wurde ruhig um Krypteria. Bis vor kurzem, unter neuem Namen und mit neuer musikalischer Ausrichtung wollten die vier jetzt wieder durchstarten – „And Then She Came“ waren geboren.

RKE: Zunächst hoffe ich Mutter und Tochter sind gesund und munter?

Ji-In: Ja, vielen Dank – uns geht es prima.

RKE: Vier Jahre hat man von Euch eigentlich nichts mehr gehört. Was habt Ihr in dieser Zeit gemacht?

192643_205851036109396_3417949_oKusch: Nun, nach unserer letzten Asientour im Mai 2012 hatten wir Krypteria ja einvernehmlich in den Dornröschenschlaf versetzt. Trotzdem haben wir immer wieder miteinander zu tun gehabt, sowohl privat, als auch im Rahmen unterschiedlicher musikalischer Projekte. Eines dieser Projekte sollte dann den Startschuss zu And Then She Came bedeuten. So erhielt Frank eines Tages den Auftrag, den Soundtrack für einen deutsch-amerikanischen Thriller zu schreiben. Statt dies alleine in Angriff zu nehmen, holte er Olli und mich dazu. Als dann noch Ji-In hinzustieß, dauerte es nicht lange, bis die Idee reifte, der Musik eine scharfkantigere Note zu verleihen und das Ganze auf Platte und danach auf die Bühne zu bringen. So entstand aus einem Soundtrackprojekt ganz organisch eine echte Band. Offensichtlich hatten wir einander doch sehr vermisst. Jedenfalls passt alles ganz wunderbar und wir sind froh, nun endlich von der Kette gelassen zu werden.

RKE: Mit Ji-In, Frank und Michael (S.C.) sind ja drei der vier Gründungsmitglieder von Krypteria mit an Bord, verstärkt durch Olli, der zuletzt live mit auf der Bühne stand. Weshalb nun ein neuer Name?

Ji-In: Für uns ist And Then She Came völlig anders als Krypteria. Das Ganze entwickelte sich natürlich und war nicht geplant. 13466005_996821730434420_7476196181784893618_nWir arbeiteten einfach drauf los, ohne irgendwelche Vorgaben oder Erwartungen und Ansprüche von Seiten eines Dritten, und plötzlich entwickelte sich eine wunderbare und völlig von Scheuklappen befreite Eigendynamik. Das war neu und fühlte sich sehr gut an. Daher sehen wir And Then She Came als etwas absolut Eigenständiges – sowohl musikalisch als auch auf allen anderen Ebenen. Tatsächlich ist nur die Tatsache geblieben, dass die Livenasen dieselben geblieben sind, und diese können es nicht abwarten, wieder auf die Bühne zu kommen.;-)

RKE: „And Then She Came“ ist durchaus ein ungewöhnlicher Name. Warum habt Ihr Euch für diesen Namen entschieden?

Kusch: Einerseits weil The Clash und Massive Attack schon besetzt waren, andererseits, weil wir uns einen Namen geben wollten, der zum Interpretieren anregt. Tatsächlich existieren selbst innerhalb der Band vier unterschiedliche Lesarten hinsichtlich der Bedeutung, insofern scheint dieser Plan schon mal nicht völlig zu scheitern, haha. Und wer weiß, vielleicht kommt ja der ein oder andere Leser sogar noch auf eine fünfte oder gar sechste Interpretationsoption?

RKE: Worin seht Ihr die wesentlichen Unterschiede zwischen Krypteria und And Then She Came?

Ji-In: Ich denke der markanteste Unterschied ist, dass wir insgesamt rauer geworden sind, viele elektronische Elemente in unsere Songs eingebaut haben und die Choralgesänge weggefallen sind. Wir haben mit viel Liebe zum Detail gearbeitet, was hoffentlich dazu führt, dass der Hörer bei mehrmaligem Hören immer wieder etwas Neues entdeckt, das ihm vorher nicht aufgefallen war.

RKE: Ist ATSC ein kurzes Studioprojekt oder können die 13123248_968128933303700_3794903963625428787_oFans in Zukunft mehr von Euch erwarten? Wird es eine Tournee geben?

Ji-In: Um ehrlich zu sein, haben wir jetzt schon ein paar Songs für unser zweites Album!:-) Zunächst werden wir auf einigen Festivals in Deutschland, Österreich und Frankreich spielen – das wird sehr spannend! Und dann freuen wir uns auch sehr auf die Shows mit Arch Enemy diesen Sommer. Alissa White-Gluz beehrte uns ja auch auf unserer ersten Nummer im Album, daher ist das eine besondere Klassenfahrt für uns. Eine weitere Supporttour im Herbst steckt auch in der Pipeline und Ende 2016 ist schließlich eine kleine Clubtour geplant und die Veröffentlichung unserer ersten Live-DVD.

RKE: Im Juni erscheint Euer selbstbetiteltes Debut-Album. Wie schon beim letzten Krypteria-Album („All Beauty Must Die“) habt Ihr Euch entschieden, das Album in Eigenregie zu veröffentlichen. Wieso habt Ihr Euch für diesen Weg entschieden? Geht Ihr damit nicht ein großes Risiko ein?

Kusch: Uns war wichtig, größtmögliche Unabhängigkeit und Freiheit zu besitzen. Dies gibt uns die Flexibilität Entscheidungen zu fällen und Dinge zu tun, die ansonsten manchmal nicht möglich wären. Das bezieht sich natürlich auf die kreative Ebene, umfasst aber auch Prozesse abseits von Studio und Bühne. Uns ist klar, dass uns trotz recht umfassender Erfahrung sicherlich auch der ein oder andere Fehler unterlaufen kann, aber dann sterben wir wenigstens durch unser eigenes Schwert.

RKE: Auf dem Album-Cover ist ein aus einem Stein gehauener Kopf zu sehen, dem man möglichst nicht zu tief in die Augen schauen sollte. Hat sich der Grafiker Dirk Rudolph für das Artwork von Eurer Musik inspirieren lassen?

Kusch: Hui, ich maße mir nicht an, mich in den Kopf eines solch brillanten und außergewöhnlichen Künstlers wie Dirk versetzen zu können. Wenn man ihn an Bord bittet, 13405430_994579803991946_1212369351_ohofft man natürlich insgeheim auf eine Portion der Rudolphschen Unergründlichkeit. Die hat er in unserem Fall ja nun auch wahrlich mit der ganz dicken Kelle kredenzt. Selbstverständlich kannte er das Album, ehe er sich an die Arbeit machte, und wir finden sowohl den Namen als auch viele Attribute unseres Debüts in seinem Werk wieder. Aber um auf Deine Frage zurückzukommen: Sind wir sicher, dass die Gestalt aus Stein und nicht doch lebendig ist? Was könnte in ihrem Kopf vorgehen? Wo kommt sie her und was hat sie vor?

RKE: Wie läuft bei Euch das Songwriting ab? Werden Ideen von allen Bandmitgliedern Teil der Songs?

Kusch: Da wir vier uns nun schon recht lange kennen und viel miteinander erlebt haben, wissen wir, was wir aneinander haben. Diese Band fußt auf Gemeinsamkeit und dem Austausch zwischen den Mitgliedern. Deshalb finden wir es auch wichtig, dass jeder sich und seine Ideen in der Musik wiederfindet. Dabei gibt es keine klar definierte Vorgehensweise, der Impuls zu einem neuen Song kann also auf verschiedenste Weise und aus jeder Ecke kommen. Am Ende zählt nur, dass alle glücklich mit dem Resultat sind. Und das kann man mit Blick auf unser Album guten Gewissens behaupten.

RKE: Chris konnte seit 2010 wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr mit Krypteria touren und wurde durch Olli vertreten. Trotzdem bleib er festes Bandmitglied und war im Studio mit dabei. Wird er jetzt auch in die Arbeit bei ATSC mit einbezogen?

Kusch: Wie vorhin erwähnt entstand And Then She Came ja quasi überraschend aus besagtem Soundtrackauftrag. Hier war Chris nicht involviert. Er entwickelt ja seinerseits stets emsig neue Projekte im Rahmen seiner eigenen Produktionsfirma. Genug zu tun hat er also auf jeden Fall, langweilig wird ihm sicher auch nicht. Und als wir ihm von ATSC erzählten, versicherte er uns, dass er es gut findet, dass Ji-In, Frank, Olli und ich zusammen weitermachen, und hat uns viel Erfolg gewünscht. Wir vier können es jetzt kaum noch erwarten, endlich wieder zusammen auf der Bühne zu stehen, schließlich wissen wir ja noch, wie viel Spaß wir untereinander auf Tour haben. Zwischen uns passt es einfach.

RKE: In diesem Zusammenhang stelle ich fest,13331163_985438288239431_8076824256858186979_n dass Ihr in all den Jahren keine Wechsel im Lineup hattet. Was hat Euch so zusammengeschweißt?

Ji-In: Ja, dazu waren aber auch so einige Gruppentherapien vonnöten!! Nein, im Ernst: Es ist kein Zufall, dass wir vier uns letztendlich dazu entschlossen haben, eine Band zu gründen. Neben der Freude an Musik ist es doch das, worauf es ankommt: Zusammenzuhalten. Trotz unserer absolut verschiedenen Backgrounds und Charaktereigenschaften mögen und schätzen wir uns sehr und sehen es sogar als unsere Stärke an, dass wir so unterschiedlich sind.

RKE: Mit Krypteria seid Ihr um die ganze Welt getourt, habt bei Festivals gespielt, habt vor mehr 80.000 Borussia Dortmund Fans die Meisterhymne gespielt. An welche Auftritte erinnert Ihr Euch noch gern?

Ji-In: Ich persönlich mochte besonders die intimen Auftritte in kleinen Clubs, bei denen ich die Gesichter im Publikum erkennen und die Reaktionen ohne Umwege annehmen und fühlen konnte. Nichts gegen einen Applaus, der von Stadionwänden hallt, aber meistens sind die Leute dann doch weiter weg und man fühlt sich mehr auf dem Präsentierteller, als dass man gemeinsam einen Abend gestaltet.

RKE: Ich bedanke mich für das Interview und hoffe, Euch bald wieder live auf der Bühne zu erleben. Wollt Ihr Euren Fans zum Abschluss noch etwas mitteilen?

Ji-In: Vielen Dank, Rainer! Wir freuen uns schon tierisch auf die Liveshows und können es kaum erwarten, Euch zu treffen! Lasst doch auch via Facebook was von Euch hören – wir sitzen am anderen Ende der Leitung und sind sehr gespannt auf Eure Reaktionen zu unserem Album. Es kommt am 24.6. raus – yeah:-)

Offizielles Video zu „Hellfire Halo“: https://youtu.be/1dIobkSUYtY

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