Bewertung: 8,5/10
Es liest sich wie ein Märchen. Es war Ende 1988 an der Ligurische Riviera. Da erstellte Alessandro „Ale“ Arbocò eine Anzeige und hängte sie in Plattenläden zwischen Genua und Recco. Er sucht nach Musikern eine neue Band. Und es fanden sich Musiker, bereit waren, seine Visionen auf die Bühne zu bringen. Neben eigenen Songs präsentierten sie auch Cover von Iron Maiden, Metallica und Crimson Glory. Im Laufe der Zeit kam es zu diversen Besetzungswechseln. Ende 1994 löste sich die Band bereits wieder auf. Mehr als dreißig Jahre später führte Gitarrist Andy Lijoi die Band aus Rapallo mit neuer Besetzung wieder zusammen. Und Azraël veröffentlichten Anfang Mai ihre Debüt-EP „Clockwork Abyss“.
Schon bei „Nemesys“ befindet man sich auf einer Zeitreise in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. So schön Retro, aber trotzdem authentisch. Man kann gar nicht anders man muss den Kopf mitwippen lassen bei dieser wunderschönen AOR-Hymne. Und Federico Travi macht eine gute Figur am Mikrophon. Bei „Call Me Rover“ drängen sich zunächst die Keys und Synthies etwas in den Vordergrund. Aber dann sorgen eingängige Gitarren-Melodien für einen weiteren guten Hard Rock Song. Natürlich darf ein Gitarren-Solo nicht fehlen. Zu „Chinatown“ haben die Italiener einen Visualizer veröffentlicht. Musikalisch ändert sich nicht viel. Typische AOR-Riffs werden unterlegt von Keyboard-Teppichen. Der Gesang ist zunächst etwas ruhiger. Der Refrain später lädt zum Mitsingen ein. Ein wenig werde ich an die frühere Hamburger AOR-Band Châlice erinnert. Schön, dass es auch heute noch Bands gibt, die diesen Sound zelebrieren. Mit „My Lost Delight“ folgt die nächste Hymne auf dem Fuß. Wie bei allem anderen Songs zuvor geben auch hier akzentuiertes Schlagzeugspiel Rhythmus-Gitarre den Rhythmus vor. Der Background-Chor ist das i-Tüpfelchen. Sehr rhythmische Riffs bestimmen zunächst den Schlusssong „No More Time“. Dann übernimmt melodisches Gitarren-Spiel. Eine letzte Hard Rock Hymne.
„Clockwork Abyss“ ist ein Ohrenschmaus für die Fans von AOR und melodischem Hard Rock. Die EP ist tief in dieser längst vergangenen Zeit verankert. Längst vergangen? Nein, die Zeit ist jetzt und hier. Für jemanden für mich, der mit diesem Sound groß geworden ist, ist das mehr als nur Nostalgie. Liebe Freunde von Azraël, bitte erfreut uns bald mit einem abendfüllenden Werk.
Azrael – Chinatown: https://youtu.be/2tN3-jz97Sw?si=Y2rZR-LfhDxyRQuU
Lineup:
Federico Travi – Vocals
Edoardo Napoli – Guitar
Andy Lijoi – Gutar
Mik Radogna – Keyboards
Gianluca Eroico – Bass
Daniele Di Tullio – Drums
Label: Selbstrelease
VÖ: 01. Mai 2026
Spieldauer: 25:10
Titelliste:
- Nemesys
- Call Me Rover
- Chinatown
- My Lost Delight
- No More Time


