Long Distance Calling – How Do We Want To Live?

Bewertung: 7/10

Autor David Kerber

Album_CoverKann man mit Instrumentalmusik Gesellschaftskritik üben? Meiner Meinung nach ist das sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, Long Distance Calling versuchen es auf ihrem neuesten Werk “How Do We Want To Live?” trotzdem.

Das übergeordnete Konzept dieses Albums ist die Betrachtung und Analyse des gegenwärtigen Verhältnisses zwischen dem Menschen und der Maschine, zwischen künstlicher Intelligenz und humanistischen Grundwerten, zwischen technologischem Fortschritt und dem Rückschritt persönlicher Freiheit. Auch stellt sich die Frage wie viel Technologisierung für den Menschen (er)tragbar und nutzbringend ist. Ob man dieses Konzept nun aus den einzelnen Songs raushört oder nicht, hängt natürlich auch vom jeweiligen Hörer ab.

Band_Photo_6Das Album beginnt mit einer von Musik unterlegten Spoken-Word-Passage, die das Wort „Curiosity“ (Neugier) erklärt und Vor- und Nachteile sowie die Bedeutung für die menschliche Entwicklung darlegt. Part 2 legt dann mit Schlagzeug und Gitarre in gewohnter Long Distance Calling Tradition los. Melodiös, rockig und ein wenig an Pink Floyd ohne Gesang erinnernd. Auch in den anderen Songs werden immer wieder Spoken-Word-Parts eingebaut, zwischendurch gibt’s auch mal ein Cello oder Synthesizer zu hören und immer wieder neue Riffs und Melodiebögen. Langweilig wird einem in den knapp 53 Minuten des Albums jedenfalls nicht, zumindest wenn man gewillt ist in die Musik einzutauchen und auf (heutzutage häufig sinnfreie) Texte verzichten kann. Wobei, auch auf How do we want to live gibt es traditionsgemäß einen Track („Beyond your limits“) mit Gesang, dargeboten diesmal von Eric A. Pulverich, der mir bislang unbekannt war. Einen bleibenden Eindruck hat er bei mir dann auch nicht hinterlassen. Singen kann er zwar, aber eine markante, wiedererkennbare Stimme hat er nicht.

Einzelne Songs hervorzuheben macht wenig Sinn, vielmehr gleicht die Musik der Münsteraner einer Sinfonie mit mehreren kleinen Sätzen. Es zählt das Gesamtkunstwerk und die einzelnen Songs ordnen sich dem großen Ganzen unter. Auch mit diesem Album bleibt die Musik von Long Distance Calling Geschmackssache. Die einen feiern die Musik ab, die anderen schütteln nur mit dem Kopf, eins aber ist so sicher wie das Headbangen auf einem Metal-Konzert: Massentauglich ist die Musik immer noch nicht.

Long Distance Calling – Voices: https://youtu.be/uWQQbQ9jqU4

David Jordan – Guitar
Florian Füntmann – Guitar
Janosch Rathmer  -Drums
Jan Hoffmann – Bass

Label: Inside Out Music

VÖ: 26. Juni 2020

Spieldauer: 52:58

Titelliste:

  • Curiosity (Part 1)
  • Curiosity (Part 2)
  • Hazard
  • Voices
  • Fail /Opportunity
  • Immunity
  • Sharing Thoughts
  • Beyond Your Limits
  • True / Negative
  • Ashes

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